Freitag, 5. August 2016

Herausforderung freistehende, halbhohe Trockenbauwand

Große Fensterfronten sind schön. Sie machen Räume hell und freundlich und durchfluten sie mit Licht. Leider haben große Glasflächen aber auch einen Nachteil – es fehlt an Wandfläche. So stellten wir uns bei der Hausplanung die Frage: Wohin mit dem Fernseher? Etliche Stunden haben wir damit verbracht kleine Papierschnipsel (maßstabsgerechte Zeichnungen von Möbeln) auf einem Grundriss hin und her zu schieben. Am Ende entwickelten wir unsere Speziallösung: Eine halbhohe und freistehende Wand. Diese dient zum einen als Raumteiler zwischen Essbereich und Wohnzimmerbereich und zum anderen soll an ihr der Fernseher hängen. Und genau hier ist dann auch schon das Problem. Ein großer Fernseher bringt in der Regel ein großes Gewicht mit sich. Ok, zu Röhrenzeiten war dies noch um einiges höher. Aber auch Flachschirme sind nicht unbedingt Leichtgewichte. Die Herausforderung ist also, nicht nur eine freistehende Wand zu bauen. Vielmehr muss diese so stabil sein, dass unser 50-Zöller auch sicher daran hängt.
  
Das eine normal konstruierte Trockenbauwand hier nicht taugt, war mir sofort klar. Hier musste eine „Speziallösung“ her. Das wichtigste Element dabei spielen zwei Stahlpfosten. Dafür habe ich zwei Torpfosten aus dem Bauhaus zweckentfremdet. Diese wurden einfach mit jeweils vier Bodenankern auf der Bodenplatte verschraubt. Leider ergab sich hier dann auch schon das erste Problem. Dadurch, dass die Bodenplatte gegen Wasser von unten mit Dachpappe abgedichtet wurde, waren die Standflächen der Pfosten nicht mehr zu 100% eben. Besonders tragisch war, dass genau unter einem Pfosten sich zwei Dachpappebahnen überlappten. Im Resultat standen die beiden Pfosten jetzt nicht ganz senkrecht, sondern irgendwie ganz leicht schief. So ein Mist!
   
Die tragenden Pfosten stehen.
  
Das die Pfosten jetzt schief stehen ist nicht schön aber an sich kein großes Problem, da sie ja noch mit Trockenbau verkleidet werden. Viel wichtiger ist nämlich, dass sie stabil stehen und unsere Wand halten können. Und das tun sie. Also ging es nun an den Bau der eigentlichen Wand. Dazu wurden als erstes die Lage der Trockenbauprofile mit Hilfe einer Schnur bestimmt und anschließend die entsprechenden Bodenprofile an der gespannten Schnur ausgerichtet und auf die Bodenplatte geschraubt. Auch hier habe ich zur verbesserten Stabilisierung einiges mehr an Schrauben verwendet, als es normalerweise üblich ist.
  
Unteres Profil an Schnur ausgerichtet.
   
Im zweiten Schritt mussten nun die senkrechten Profile gestellt werden. Dabei kamen jetzt die beiden Torpfosten in spiel, an denen jeweils zweiseitig ein Trockenbauprofil geschraubt wurde. Um die ganze Sache besonders steif zu bekommen, habe ich dazu jeweils eines der beiden Profile als Aussteifungsprofil ausgeführt, welches mit 2mm Materialstärke besonders stabil ist.
  
Profile erst ausgelotet und mit Tape fixiert, dann verschraubt.
   
Nachdem die senkrechten Profile standen, musste ich nur noch das obere Profil auflegen. Schon war das Grundgerüst fertig.
  
Der Rahmen steht.

Deutlich zu erkennen, wie schief die Trägerpfosten stehen.

   
Weiter ging es mit der Beplankung. Üblicher sind beim Trockenbau 2 Lagen Gipskartonplatten. Ich habe mich allerdings dagegen entschieden und habe lieber als erste Lage eine 18mm dicke OSB-Platte verwendet. Diese, in Verbindung mit der darüber liegenden Gipskartonplatte, hält unseren Fernseher mit Sicherheit.
   
Wand von hinten. (zusätzlich jetzt noch Querträger eingebaut)
   
Wand von vorn.
   

Auch auf der Rückseite verwende ich als erste Lage eine OSB-Platte. Hier jedoch nur in 12mm, da die Rückseite kein zusätzliches Gewicht halten muss. Ausgeführt wird die Rückseite aber erst einmal nicht komplett, denn bevor die Wand geschlossen wird, muss noch einiges an Kabellage darin verschwinden. So muss der Elektriker ein Netzwerkkabel und eine Stromleitung von unten in die Wand einführen. Gleichzeitig muss aus der Wand ein HDMI-Kabel und 3 Lautsprecherkabel wieder raus. Die letztgenannten Kabel habe ich gleich alle selbst verlegt.
  
Kabel sind soweit drin.
    
Besonderes Highlight unserer Wand ist, dass sie zwar für unseren 50-Zoll-Fernseher gebaut wird, an ihr aber auch ein 65-Zoll-Fernseher angebracht werden kann. (Man muss ja auch mal an die Zukunft denken) Dafür habe ich ebenfalls schon alles vorbereitet, denn die Surroundboxen müssen in diesem Fall an eine andere Stelle verlegt werden. Dies wird sich für mich jedoch (hoffentlich) recht einfach gestalten, so dass ich später an der vorbereiteten Stelle von außen  nur noch ein kleines Loch bohren muss und die dahinter befindlichen Kabel direkt nach draußen ziehen kann.  Dies betrifft vor allem die beiden außen liegenden Boxen, denn an diese Kabel kommt man, wenn die Wand geschlossen ist, nicht mehr ran. Für die mittlere Box und den Stromanschluss wird die Wand eine Wartungsluke bekommen. Hier habe ich mich für die „Edelvariante“ entschieden und eine streich- und tapezierbare Luke genommen. So wird man später nur noch einen kleinen Spalt sehen können anstatt eines großen weißen Blechdeckels.
    
Rückseite mit Wartungsluke.
   
Nachdem ich meine Elektrik soweit gelegt habe, heißt es nun warten auf den Elektriker und den Estrich. Erst wenn die durch sind, wird die Wand gedämmt (nein, nicht wegen Wärme – das wäre ja quatsch -, sondern wegen Schallschutz und der Vermeidung eines möglichen Dröhnens der Wand). Aber auch schon im halbfertigen Zustand steht unsere TV Wand wie eine Eins. Wenn später noch die zweite Seite komplett ist, wird die ganze Sache sogar noch steifer und stabiler.

Kommentare:

  1. Hallo Steffen, vielen Dank für den tollen Bericht über die Fernsehwand. Genau dieses Problem haben wir gerade auch. Kannst Du uns die genaue Artikelbezeichnung oder vielleicht auch Artikelnummer der Torpfosten geben? Wir finden diese nicht. Danke und viele Grüße Thomas

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  2. Hallo Thomas, also die Pfosten heißen:
    Saturn/Royal Klobenpfosten Rundbogentor für Tore 60x60x1600mm
    Kosten: 55 EUR
    MfG
    Steffen

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